Wer arbeitet eigentlich wo? Was hat eine Person vorher gemacht? Welche Fähigkeiten und Erfahrungen bringt sie mit? Und wie kann ich mit ihr in Kontakt treten oder bleiben?
Berufliche soziale Netzwerke wie LinkedIn sind dafür ausgesprochen praktisch. Arbeitnehmer können dort ihren beruflichen Werdegang, ihre Kenntnisse und Erfahrungen präsentieren. Arbeitgeber und Headhunter wiederum können nach Menschen mit bestimmten Qualifikationen suchen und sich anhand ihrer Profile einen ersten Eindruck verschaffen. Beide Seiten können sich finden – auch dann, wenn gerade noch keine konkrete Bewerbung oder offene Stelle im Raum steht.
Ähnlich funktioniert das für Selbstständige und Unternehmen, die Dienstleistungen anbieten. Egal ob Arzt, Rechtsanwältin, Handwerker, Beraterin, Entwickler oder Agentur: Sie können zeigen, was sie machen, welche Erfahrung sie mitbringen und wofür sie die richtigen Ansprechpartner sind. Potenzielle Kunden können nach passenden Dienstleistern suchen, deren Hintergrund einschätzen und direkt Kontakt aufnehmen. Umgekehrt können Dienstleister Unternehmen und Menschen finden, für die ihre Arbeit interessant sein könnte.
Dazu kommt das persönliche berufliche Netzwerk. Statt nach einem Jobwechsel den Kontakt zu ehemaligen Kolleginnen und Kollegen zu verlieren, bleibt die Verbindung bestehen. Man sieht, wo Menschen inzwischen arbeiten, woran sie arbeiten und wie sich ihr beruflicher Weg entwickelt.
Und solche Netzwerke sind längst mehr als digitale Lebensläufe und Adressbücher. Menschen veröffentlichen kurze Beiträge, teilen Links, berichten über ihre Arbeit, diskutieren Fachthemen und erfahren über ihren Feed, womit sich ihre beruflichen Kontakte gerade beschäftigen.
Das Grundprinzip ist also ausgesprochen nützlich: Menschen und Unternehmen können sich beruflich präsentieren, einander finden, einschätzen, miteinander in Kontakt treten und im Austausch bleiben.
Das Problem ist nicht die Idee hinter LinkedIn.
Die interessantere Frage lautet: Muss ein solches berufliches Netzwerk zwangsläufig einem einzelnen großen Konzern gehören?
Mit vutuv gibt es eine Open-Source-Alternative aus Deutschland, die genau diese Idee eines beruflichen sozialen Netzwerks aufgreift – aber auf den Prinzipien des offenen Webs und des Fediverse aufbaut.

Berufliches Profil und soziales Netzwerk
Im Mittelpunkt steht zunächst das eigene berufliche Profil.

Dort lassen sich Berufserfahrung, Fähigkeiten, Qualifikationen, Kontaktdaten und Links hinterlegen. Wer wissen möchte, was jemand beruflich macht oder gemacht hat, findet damit die Informationen, die man auch von einem klassischen Business-Netzwerk erwartet.
Aus den hinterlegten Informationen lässt sich außerdem ein Lebenslauf erstellen, für eine Bewerbung anpassen und in verschiedenen Formaten exportieren. Wer bereits ein LinkedIn-Profil besitzt, kann vorhandene Daten importieren, statt seinen beruflichen Werdegang noch einmal komplett einzutragen.

Aber vutuv ist nicht nur eine Sammlung von Lebensläufen.
Nutzerinnen und Nutzer können anderen Menschen folgen und kurze Beiträge veröffentlichen. Im persönlichen Feed erscheinen die Beiträge der Accounts, denen man folgt, chronologisch. Damit verbindet vutuv das berufliche Profil mit Microblogging: Man kann zeigen, wer man beruflich ist, und gleichzeitig veröffentlichen, woran man gerade arbeitet, was man interessant findet oder worüber man diskutieren möchte.

Ein öffentliches Profil, das wirklich öffentlich ist
Ein wesentlicher Unterschied zu vielen großen sozialen Netzwerken zeigt sich, sobald jemand ein öffentliches vutuv-Profil aufruft.
Dafür braucht man keinen Account, keine App und keine Anmeldung.
Das lässt sich direkt ausprobieren: Das Profil des vutuv-Gründers Stefan Wintermeyer ist unter https://vutuv.de/wintermeyer öffentlich erreichbar. Dort sieht man unter anderem seinen beruflichen Werdegang, Beiträge, Fähigkeiten, Kontaktdaten und sein berufliches Netzwerk – ohne sich vorher bei vutuv registrieren oder einloggen zu müssen.
Ein öffentliches berufliches Profil ist bei vutuv tatsächlich eine normale Seite im offenen Web. Man kann einen Link darauf beispielsweise in eine E-Mail-Signatur, auf eine Visitenkarte oder in eine Bewerbung aufnehmen – und die Empfängerin oder der Empfänger kann das Profil unmittelbar öffnen.
Das klingt zunächst selbstverständlich. In einer Zeit, in der viele soziale Netzwerke versuchen, Besucher möglichst schnell hinter eine Login-Maske zu bekommen, ist es das aber längst nicht mehr.
Und was hat das mit dem Fediverse zu tun?
Hier unterscheidet sich vutuv grundlegend von einem klassischen zentralen Business-Netzwerk.
vutuv unterstützt ActivityPub, das offene Protokoll, das auch viele andere Dienste im Fediverse miteinander verbindet.
Das bedeutet beispielsweise: Jemand mit einem Mastodon-Account kann einem Account auf vutuv folgen. Ein öffentlicher Beitrag, der auf vutuv geschrieben wird, kann dann im Mastodon-Feed dieser Person erscheinen.
Umgekehrt können Menschen auf vutuv Accounts auf anderen Fediverse-Servern folgen.
Das Besondere daran ist nicht, dass vutuv Microblogging an Mastodon auslagert – vutuv kann selbst Microblogging. Das Besondere ist, dass die Grenze zwischen den Plattformen durchlässig wird.
Wer einem Menschen auf vutuv folgen möchte, muss nicht zwangsläufig selbst Mitglied bei vutuv werden.
Das lässt sich ein wenig mit E-Mail vergleichen: Eine Gmail-Adresse kann einer Adresse bei einem völlig anderen Anbieter schreiben. Niemand erwartet, dass beide Menschen beim selben E-Mail-Anbieter registriert sein müssen.
Genau diese Idee steckt hinter dem Open Social Web.
Bei klassischen sozialen Netzwerken befinden sich Profil, Kontakte, Beiträge und Kommunikation innerhalb der Grenzen einer Plattform. Im Fediverse können unterschiedliche Plattformen eigene Schwerpunkte setzen und trotzdem miteinander kommunizieren.
vutuv setzt seinen Schwerpunkt auf die Verbindung von beruflicher Identität, professionellem Netzwerk und Microblogging.
Das Fediverse muss LinkedIn nicht einfach kopieren.
Damit verändert sich auch die Frage, was eine Alternative zu LinkedIn eigentlich sein muss.
Die naheliegende Vorstellung wäre, LinkedIn möglichst exakt nachzubauen und anschließend genügend Menschen davon zu überzeugen, geschlossen von der einen Plattform auf die andere umzuziehen.
Das Fediverse ermöglicht einen anderen Ansatz.
Ein berufliches Profil kann auf vutuv liegen. Die Person kann dort Beiträge veröffentlichen und anderen Accounts folgen. Gleichzeitig können diese Beiträge Menschen erreichen, die beispielsweise Mastodon oder eine andere kompatible Fediverse-Software benutzen.

Man muss also nicht alle Menschen auf eine einzige Plattform bekommen, bevor ein Netzwerk nützlich wird.
Das ist einer der fundamentalen Unterschiede zu den großen abgeschlossenen Plattformen: Im Open Social Web muss nicht ein Unternehmen gleichzeitig Identität, Inhalte, Kontakte, Reichweite und die Regeln des gesamten Netzwerks kontrollieren.
Keine Premium-Mitgliedschaft
Auch beim Geschäftsmodell geht vutuv einen anderen Weg.
Es gibt keine Premium-Accounts. Funktionen werden also nicht für zahlende Mitglieder reserviert. Finanziert wird vutuv stattdessen durch Werbung – allerdings bewusst anders als bei den großen werbefinanzierten Plattformen.
Es gibt keine personalisierte Werbung und kein Profiling für Anzeigen. Vorgesehen ist eine Textanzeige pro Tag, die allen Nutzern gleich angezeigt wird.
Auch der Feed ist nicht algorithmisch sortiert, sondern chronologisch. Es entscheidet also kein Empfehlungsalgorithmus darüber, welche Beiträge vermeintlich besonders relevant sind.
Server in Deutschland und kein Tracking durchs halbe Internet
vutuv.de läuft auf eigenen Servern in Deutschland. Es werden keine Daten in einer ausländischen Cloud gespeichert.
Auch beim Aufruf einer Seite werden keine Inhalte von Werbenetzwerken, Analyseplattformen oder anderen Drittanbietern nachgeladen. Es gibt keine Third-Party-Cookies und kein Tracking über andere Webseiten hinweg.
Gerade bei einem beruflichen Netzwerk ist das ein interessanter Ansatz. Schließlich besteht der Zweck eines solchen Profils ausdrücklich darin, Informationen über die eigene Person öffentlich zu machen. Umso wichtiger ist die Unterscheidung zwischen Informationen, die jemand bewusst veröffentlicht, und Daten, die im Hintergrund über das Verhalten dieser Person gesammelt werden.
Open Source bedeutet: Man muss dem Betreiber nicht alles glauben
Der vollständige Quellcode von vutuv ist öffentlich und steht unter der MIT-Lizenz.
Das hat noch eine weitere Konsequenz: vutuv ist nicht zwingend mit vutuv.de gleichzusetzen.
Eine Firma, ein Verband, eine Schule oder eine andere Organisation kann die Software selbst betreiben – im Internet oder sogar ausschließlich im eigenen internen Netzwerk.
Damit unterscheidet sich das Konzept erheblich von klassischen zentralisierten Business-Netzwerken. Der Betreiber von vutuv.de besitzt nicht die technische Plattform, auf der zwangsläufig alle anderen teilnehmen müssen.
Auch für langsame Internetverbindungen
Eine eher ungewöhnliche Funktion ist der Low-Bandwidth-Modus.
Wer unterwegs, im Zug, auf dem Land oder mit einer langsamen Internetverbindung arbeitet, kann die zu übertragende Datenmenge reduzieren. Das mag in Deutschland wie ein Detail wirken, kann aber gerade für ein offenes internationales Netzwerk einen erheblichen Unterschied machen.
Auch grundsätzlich versucht vutuv, möglichst wenig vorauszusetzen: Öffentliche Profile funktionieren ohne Account, und öffentliche Seiten stehen zusätzlich in maschinenlesbaren Formaten wie Markdown, JSON, XML und vCard zur Verfügung.
Fediverse ist kein Selbstzweck
Interessant ist dabei, dass die Fediverse-Anbindung bei vutuv freiwillig ist.
Wer einfach nur ein berufliches Profil auf vutuv haben möchte, kann das tun. Wer zusätzlich Teil des Fediverse sein möchte, aktiviert diese Funktion.
Das ist vielleicht gerade für Menschen wichtig, die mit Begriffen wie ActivityPub, Föderation oder Fediverse bisher wenig anfangen können.
Man muss sie nicht verstehen, um vutuv zu benutzen.
So wie man auch nicht verstehen muss, wie SMTP funktioniert, um eine E-Mail zu verschicken.
Eine Alternative muss nicht sofort so groß sein wie LinkedIn
Natürlich hat vutuv nicht annähernd die Nutzerzahl eines LinkedIn. Das ist bei einem offenen Netzwerk aber auch nicht die einzige relevante Zahl.
Durch ActivityPub endet das erreichbare Netzwerk nicht an der Grenze von vutuv.de. Ein neues vutuv-Profil kann von Menschen auf anderen Fediverse-Plattformen gefunden und abonniert werden, ohne dass diese zu vutuv wechseln müssen.
Genau hier zeigt sich vielleicht am deutlichsten, warum das Fediverse sich nicht hinter den Big-Tech-Plattformen verstecken muss.
Die interessante Frage lautet nicht nur:
„Welches offene Netzwerk kann LinkedIn ersetzen?“
Vielleicht lautet sie vielmehr:
„Warum brauchen wir überhaupt noch ein einziges Netzwerk, das alles besitzen und kontrollieren muss?“
vutuv zeigt am Beispiel eines beruflichen Netzwerks, wie eine andere Antwort aussehen kann: offene Profile, offene Software, offene Protokolle und die Möglichkeit, trotzdem mit Menschen außerhalb der eigenen Plattform verbunden zu bleiben.
Wer neugierig geworden ist, kann sich vutuv einfach ansehen. Dafür ist nicht einmal eine Registrierung notwendig.



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